Sport-Physiotherapie Hamburg

Kreuzbandriss



Kreuzbänder:

Die Kreuzbänder verdanken ihren Namen dem charakteristischen Verlauf – sie „überkreuzen“ sich. Die beiden Kreuzbänder befinden sich im Kniegelenk und verbinden den Ober- und den Unterschenkel miteinander. Das vordere Kreuzband verläuft vom vorderen Schienbeinkopf zum außen gelegenen Oberschenkelknochen, das hintere Kreuzband verläuft vom hinteren Schienbeinkopf zum inneren Knochen des Oberschenkels.

Funktion:

Die Kreuzbänder sind bei allen Bewegungen im Knie sehr wichtig, besonders bei starken Belastungen. Das Kniegelenk wird durch die Kreuzbänder stabilisiert, indem sie die Bewegungen entscheidend führen und hemmen. Beide Kreuzbänder erfüllen unterschiedliche „Aufgaben“ im Kniegelenk: Das vordere Kreuzband soll das nach vorne Gleiten des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel verhindern. Das hintere Kreuzband soll die Bewegungen des Unterschenkels nach hinten begrenzen. Zusammen sind die beiden Kreuzbänder dafür verantwortlich, dass unphysiologisch starke Bewegungen zwischen dem Ober-und Unterschenkel im Kniegelenk verhindert werden. Zusätzlich sollen sie Rotationsbewegungen im Kniegelenk hemmen – gemeint ist hier z.B. das Drehen des Unterschenkels gegen den Oberschenkel.

Kreuzbandriss:

Die Kreuzbänder reißen oftmals ohne gegnerische Fremdeinwirkung. Ursache von einem Kreuzbandriss sind häufig abrupte Drehvorgänge im Kniegelenk während einer Belastung, bei denen sich der Oberschenkel über das natürliche Maß hinaus auf dem Unterschenkel verdreht, während der Fuß fixiert „stehen bleibt“. Beispiele sind hier Fußballerspieler, die mit ihren Stollenschuhen auf unebenen Spielplätzen hängenbleiben, Handballspieler, denen ihr stumpfer Hallenboden zum Verhängnis wird oder das unkoordinierte Landen nach einem herzhaften Sprung. Besonders hervorzuheben sind so genannte Risikosportarten wie Fußball oder alpines Skifahren, weil hier viele Rupturen vorzuweisen sind.

Das vordere Kreuzband reißt im Vergleich zum hinteren Kreuzband in etwa 10 Mal häufiger. Mögliche Gründe für die Ursache sind folgende: Das vordere Kreuzband ist deutlich dünner als das hintere und die zum Riss des vorderen Kreuzbandes führenden Bewegungsmechanismen kommen im Sport weitaus häufiger vor, als die, die zu einer Schädigung des hinteren Kreuzbandes führen können.

Zusatz: „Unhappy Triad“

Unter einem „Unhappy Triad“ versteht man eine Verletzungskombination, die von vielen sehr gefürchtet wird – zu Recht. Denn hinter dem Begriff verbirgt sich eine Verletzung von drei unterschiedlichen Strukturen im Kniegelenk, die häufig zusammen auftritt. Bei dieser Verletzung reißen das Innenband, der Innenmeniskus und das vordere Kreuzband gleichzeitig. Das Verletzungsphänomen „Unhappy Triad“ tritt besonders häufig bei Skiunfällen und bei Kontaktsportarten wie Fußball oder Handball auf.

Symptome:

Der Großteil der Verletzten berichtet über ein „Gnupscheln“ im Kniegelenk und über starke Schmerzen im Moment des Kreuzbandrisses. Darauf folgt eine deutliche Unsicherheit und Instabilität. Bei vielen schwillt das Knie dann nach kurzer Zeit an.

Diagnose:

Wenn die Schwellung im Knie noch nicht so stark ist, also direkt nach dem Unfall, kann zuerst mit Hilfe eines so genannten „Schubladentests“ als Diagnosemittel gearbeitet werden. Hierunter versteht man einen Funktionstest (häufig ausgeführt durch einen Physiotherapeuten), der überprüfen soll, ob sich der Oberschenkel abnorm gegen den Unterschenkel verschieben lässt. Wenn dies der Fall ist, deutet alles auf einen Kreuzbandriss hin.

Wenn das Knie bereits sehr geschwollen ist (z.B. einen Tag nach dem Unfall), kann i.d.R. kein Funktionstest mehr durchgeführt werden, weil die Schmerzen im Knie zu stark sind. Es wird dann empfohlen, eine Kernspintomographie vornehmen zu lassen, um Aufschluss darüber zu gewinnen, ob der Bandapparat verletzt wurde. 1. Hilfe- Maßnahmen:

Das bekannte „PECH-Schema“ hat sich auch hier bewährt, um die Schwellung möglichst gering zu halten.
P= Pause E= Eis C= Compression H= Hochlagern

Die sportliche Belastung muss sofort unterbrochen werden und eine Kühlung ist anschließend ratsam, um das Zusammenziehen der beschädigten Blutgefäße zu begünstigen und das weitere Einbluten in das umliegende Gewebe einzudämmen und die Schwellung somit zu reduzieren. Wenn vorhanden, dann ist auch eine zeitnahe Einnahme von Antiphlogistika zu empfehlen, um die Abschwellung zu begünstigen und die Entzündung zu lindern. Bei jedem Verdacht auf einen Kreuzbandriss sollte so schnell wie möglich ein Arzt zur Diagnosestellung aufgesucht werden.

Behandlung & Therapie:

Es gibt zwei Möglichkeiten einen Kreuzbandriss zu behandeln – konservativ oder operativ. Dies hängt oft von den individuellen Ansprüchen und Gegebenheiten des Patienten ab. Beispiele sind hier ein 60 Jähriger Schachspieler, der konservativ behandelt werden und auch ohne Operation glücklich werden kann oder ein Leistungssportler, der möglichst zeitnah wieder voll einsatzfähig sein muss und für starke Belastungssituationen ein stabiles Knie benötigt – dieser würde eine Operation bevorzugen.

Wenn das Kreuzband auf konservativem Wege behandelt wird, dann wird zunächst Krankengymnastik verordnet. Schon bald darauf kann lockeres Radfahren folgen. Wenn das Knie nach etwa 6-8 Wochen nicht mehr gereizt und schmerzfrei ist, dann kann mit Joggen begonnen werden.

Es sind Fälle bekannt (wie z.B. beim Fußball), bei denen sich Patienten das gerissene Kreuzband nicht operieren lassen haben, um eine längere Pause zu vermeiden – scheinbar erfolgreich. Dies ist möglich mit einer sehr guten muskulären Führung des Kniegelenkes, jedoch nur zeitlich begrenzt. Denn auf absehbare Zeit wird zwangsläufig eine Arthrose folgen.

Ist das Kreuzband operativ behandelt worden, dann sind die ersten 6 Wochen nach der Operation für das Einheilen der neuen Transplantate in den Knochen gedacht und das Knie muss dann natürlich geschont werden. Die Operation selbst findet erst 4-6 Wochen nach dem Trauma statt, weil keinerlei Reizzustände im Knie mehr für Komplikationen sorgen können.

Da Kreuzbänder ständig unter Spannung stehen, können sie nach einem Riss auch nicht von selbst wieder zusammen wachsen. Für die Operation in der heutigen Zeit haben sich so genannte „Kreuzbandplastiken“ bewährt. Hier wird ein kleines Stück einer körpereigenen Sehne entnommen und dieses wird dann als „Ersatz“ in das Knie eingepflanzt. übliche Sehnen, von denen ein Stück verpflanzt wird, sind die Patellasehne, die Semitendinosussehne/Grazilissehne oder die Quadrizepssehne.

Das Einheilen des Kreuzbandimplantats in den Knochen dauert i.d.R. etwa 6 Wochen. Nach diesen 6 Wochen sollte das Ziel sein, die volle Beweglichkeit des Knies wiederherzustellen. Radfahren ist unmittelbar möglich, aber mit Joggen muss noch mindestens 4 Monate gewartet werden. Der Wiedereinstieg in Spielsportarten wie Hockey, Fußball, Handball oder Basketball sollte nicht zu früh und nach erst rund einem Jahr erfolgen. Wenn die Kreuzbandplastik gut eingeheilt ist, dann kann man sagen, dass sie nach etwa einem Jahr ungefähr die gleiche mechanische Belastbarkeit aufweisen kann wie das „alte“ Kreuzband.

Um seine Sportfähigkeit schnell wiederzuerlangen ist aus der Perspektive der Sportphysiotherapie die Mobilisierung des Kniegelenkes sehr wichtig. Man muss darauf achten, dass das Gelenk nicht belastet, aber möglichst früh bewegt wird. Dieses erfolgt durch Krankengymnastik. Die Bewegung des Gelenkes ist als Erhaltungsreiz für Sehnen, Menisci, Knorpel, Kapsel und die umliegenden Muskeln von hoher Wichtigkeit. In verschiedenen Behandlungseinheiten wird versucht das Knie so zu mobilisieren, dass die Beweglichkeit durch verschiedenen Therapieformen der Krankengymnastik (z.B. Manuelle Therapie, Manuelle Lymphdrainage) verbessert und eine Schmerzminderung erreicht wird. Darauf folgen in der Regel Folgebehandlungen mit Verordnungen über KGG / KG-Gerät (Krankengymnastik am Gerät). Hierbei werden durch Gerätetraining Muskeldysbalancen entgegengewirkt und versucht die Muskulatur in der knieumgebenden Muskulatur wieder aufzubauen.

Egal für welche Behandlungsmethode man sich entscheidet, Krankengymnastik ist ein wichtiger Baustein der den Behandlungs- und Heilungserfolg sichert!

Prävention:

Es ist kaum möglich, sich im Sport gegen beispielsweise Attacken des Gegners zu schützen und auch dem Riss des hinteren Kreuzbandes durch Präventionsmaßnahmen vorzubeugen wäre schwierig, weil dieser oft durch mechanische Gewalteinwirkung bei einem Unfall entsteht. Im Gegensatz dazu kann man aber das vordere Kreuzband „schützen“, indem man für eine gute muskuläre Führung des Kniegelenkes sorgt und die Koordination schult.





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