Sport-Physiotherapie Hamburg

Prellungen (Fokus: Muskelprellungen / Pferdekuss)



Unter einer Muskelprellung versteht man eine Verletzung der Muskulatur. Im Muskel zerreißen Blutgefäße durch äußere direkte Einwirkung von Gewalt. Die Haut bleibt bei einer Muskelprellung intakt, es kommt zu einer Blutung nach innen und zur Ausbildung eines Hämatoms. Generell kann es an allen Körperregionen zu Prellungen kommen – besonders häufig werden Prellungen aber am Oberschenkel, am Oberarm oder an der Wade diagnostiziert.

Ursache:
Muskelprellungen entstehen häufig in Kontaktsportarten wie Hockey, Fußball, Handball oder Rugby, es bergen aber auch Kampfsportarten ein hohes Risiko für die Entstehung von Muskelprellungen. Auch in Wintersportarten wie Skifahren oder Snowboarden sind viele Prellungen aufgrund von Stürzen bei hoher Geschwindigkeit zu verzeichnen. Die Entstehung von Muskelprellungen kann besonders gut und häufig beim Fußball beobachtet werden, wenn in einer Situation ein Sportler dem Gegenspieler sein Knie in den Oberschenkel „rammt“ und der bekannte „Pferdekuss“ dabei entsteht.

Differenzierung:
Aus Sicht der Sportphysiotherapie sollten Prellungen nach dem Ort der Gewalteinwirkung differenziert werden, d.h. es hängt davon ab, welche Körperregion betroffen ist. Neben den oben bereits erwähnten Muskelprellungen gibt es Gelenkprellungen, Knochenprellungen und Nervenprellungen. Prellungen, die durch sehr starke Gewalteinwirkung entstehen, sind besonders gefährlich, weil diese dazu führen können, dass innere Organe verletzt werden. Organe wie z.B. die Milz oder die Niere können durch die Gewalteinwirkung von außen so stark traumatisiert werden, dass ihre Verletzung zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen kann. Auch eine Prellung des Schädelknochens beispielsweise ist ernst zu nehmen, weil sie zu intrakraniellen Blutungen (Hirnblutungen) oder zu Bewusstseinsverlust führen kann. Bekannt sind Knochenprellungen an den Schienbeinen, die sich durch sehr starke Schmerzen auszeichnen, weil die Knochenhaut viele Schmerzrezeptoren enthält - im Vergleich zu den oben genannten Prellungen aber doch eher harmlos erscheint.

Symptome:
Eine Muskelprellung kann man i.d.R. an sehr starken und akuten Schmerzen erkennen. Der Muskel verhärtet sich und es kommt in der betroffenen Körperregion zu einer bläulichen Färbung im Falle einer Blutung (Hämatombildung) und zu einer Schwellung. Die Folge ist eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung des jeweiligen Muskels.

1. Hilfe-Maßnahmen:
Nach Auftreten einer Muskelprellung sollte man den jeweiligen Bereich sofort kühlen. Hier empfiehlt sich besonders ein in Eiswasser getränktes Tuch. Zusätzlich sollte man einen Kompressionsverband um den Bereich legen und wenn möglich, die Gliedmaße hochlagern. Die Kühlung soll das Zusammenziehen der verletzten Blutgefäße und das weitere Nachbluten in die verletzte Region unterstützen. Zu empfehlen ist weiteres Kühlen und eine Schonung des Muskels von über 24 Stunden.

Komplikationen:
Bei Muskelprellungen besteht immer die Gefahr, dass eine sehr starke Einblutung zu einer länger anhaltenden Drucksteigerung im Muskel führen kann und in Folge dessen Nerven und Blutgefäße zusammengedrückt werden. Dieser Bereich im Muskel kann dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden und es kann dann zu neuromuskulären Ausfällen kommen (auch bekannt unter dem so genannten „Kompartmentsyndrom“). Beispiele für solche neuromuskulären Ausfälle sind ein Taubheitsgefühl in den Fingern nach einer Oberarmprellung oder das Kribbeln der Zehen nach einer Schienbeinprellung. In den Fällen muss der Arzt den Bluterguss eventuell in einer Operation entfernen. Wenn mit dem operativen Eingriff zu lange gewartet wird, kann dies zu dauerhaften Muskelschädigungen führen.

Behandlung & Therapie:
Die möglichen Schwellungen und die Funktionseinschränkung nach einer Muskelprellung bilden sich mit der Zeit von selbst zurück und es bedarf i.d.R. keines Arztbesuches. Bei Prellungen des Brustraumes oder des Kopfes hingegen ist ein Arztbesuch jedoch dringend anzuraten, weil die Gefahr der Verletzung von inneren Organen (z.B. Niere, Milz, Herz oder Lunge) immer möglich ist. Auf ernste Schädigungen können beispielsweise Blässe, Blutdruckverlust oder Blut im Urin hinweisen. Wenn eine sehr leichte Muskelprellung vorliegt, kann mit dem Sport wieder unmittelbar oder nach bereits einem Tag begonnen werden. Bei stärkeren Muskelprellungen wird nach 3-4 Tagen Krankengymnastik empfohlen und das Sporttreiben sollte erst wieder aufgenommen werden, wenn der Patient keinerlei Beschwerden mehr aufweist. Nach schwersten Muskelprellungen kann sogar eine Zwangspause von bis zu 3 Monaten auf den Patienten zukommen, weil der Bluterguss eventuell operativ entfernt werden muss. Es ist immer abhängig von den Beschwerden, aber i.d.R. kann dieser in diesem Fall nach ca. 4-6 Wochen wieder mit leichtem Radfahren beginnen. Zusätzlich zum Kühlen bei einer Muskelprellung kann die Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika empfohlen werden, weil diese die Resorption und die schnellere Abheilung fördern. Eventuell können auch Muskelrelaxantien eingenommen werden, um den aktiven Zug aus der Muskulatur zu nehmen. Wichtig sind besonders Anwendungen aus der Sportphysiotherapie (z.B. Manuelle Lymphdrainage, Koordinationsübungen, Stabilisationsübungen) für den jeweiligen Muskel, um diesen wieder an funktionelle Bewegungsabläufe zu gewöhnen. Bei einer Ergußbildung oder bestehennden Hämatom ("Blauer Fleck"), kann durch ergänzende Anlegen eines Kinesio Tape (sog. Lymphtaping), der Abbau des Ergusses gefördert und der Lymphabfluss gesteigert werden. Häfig reduzieren sich Hämatome durch entsprechendes Lymphtaping innerhalb weniger Tage.





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