Sport-Physiotherapie Hamburg

Muskelfaserriss



Unter einem Muskelfaserriss versteht man eine Verletzung der Muskelfasern innerhalb eines Muskels im organisch strukturellen Sinne. In Folge einer überlastung der Strukturen zerreißen bei einem Muskelfaserriss einzelne Muskelfasern. Zusätzlich werden die umliegenden Blutgefäße beschädigt, die dafür sorgen sollen, dass die Muskelfasern mit Elektrolyten und sauerstoffreichem Blut versorgt werden. Aus diesen Blutgefäßen tritt Blut in das umliegende Gewebe und führt zu der Bildung eines Hämatoms (Bluterguss). Das Hämatom ist nicht immer von außen erkennbar, weil es darauf ankommt, wo genau der Muskelfaserriss im jeweiligen Muskel lokalisiert ist. Er kann direkt unter der Haut liegen - in diesem Fall ist 2 bis 3 Tage nach der Verletzung die Bildung eines Hämatoms sichtbar. Der Muskelfaserriss kann aber auch tief im Inneren des Muskels liegen und in dem Fall kann man den Bluterguss von außen oftmals nicht erkennen. Mehrere Möglichkeiten den Muskelfaserriss trotzdem zu lokalisieren gibt es trotzdem: zum einen kann man mit den Fingern tasten und die strukturelle Veränderung in Form einer Delle oder Lücke im Muskel spüren und zum anderen kommen häufig Kernspin und Sonographie zum Einsatz, um den Muskelfaserriss exakt lokalisieren zu können.

Im Moment des Muskelfaserrisses charakterisieren viele den Schmerz als akut und stechend. Sie beschreiben das Gefühl als „ein Messer, das in den Muskel gerammt wird“.

Ursache:
Eine häufig genannte Ursache ist das Zusammentreffen von Höchstleistungen im Sport mit dem bereits ermüdeten und unvorbereiteten Muskel. Die Elastizität des Muskels ist dann nicht groß genug und vereinzelte Muskelfasern können der physiologischen Dehnung über das normale Maß hinaus nicht standhalten und reißen leicht. Viele Sportarten (häufig Spielsportarten), die sich durch abrupte Richtungswechsel und dynamische Schnellkraftleistungen auszeichnen, bergen ein erhöhtes Risiko für Muskelfaserrisse. Grund dafür sind hier die extremen Belastungen, die auf die Muskulatur einwirken. Die Häufigkeit von Muskelfaserrissen in bestimmten Muskeln hängt deutlich von der ausgeübten sportlichen Bewegungsform ab. Volleyballspieler oder Reckturner beispielsweise ziehen sich oft Muskelfaserrisse im Bereich des Oberkörpers (Schulter, Arme) zu. Im Vergleich dazu stehen Spielsportarten wie z.B. Fußball, Basketball oder Hockey, bei denen Muskelfaserrisse sehr häufig im Oberschenkel und der Wade diagnostiziert werden.

1.-Hilfe-Maßnahme:
Die Belastung sollte man sofort unterbrechen, um eine Schädigung weiterer Strukturen zu vermeiden. Zum weiteren Vorgehen wird das so genannte PECH- Schema empfohlen:

P = Pause
E = Eis
C = Compression (Druck)
H = Hochlagern

Zuerst geht es darum, das sich bildende Hämatom mit einem kühlen Kompressionsverband zu bekämpfen. Die verletzten Blutgefäße sollen sich zusammen ziehen und dem weiteren Austritt von Blut in das umliegende Muskelgewebe soll vorgebeugt werden. Um das weitere Austreten von Blut noch zusätzlich zu reduzieren, wird das Hochlagern der entsprechenden Körperpartie empfohlen. Behandlung+Therapie: Unmittelbar nach dem Auftreten eines Muskelfaserrisses werden die oben genannten 1.Hilfe-Maßnahmen empfohlen. Ergänzend dazu empfiehlt sich das Einnehmen von entzündungshemmenden und abschwellenden Medikamenten, den so genannten „Antiphlogistika“. Die Antiphlogistika unterstützen die Linderung von Entzündungsreaktionen im Muskelgewebe und helfen dabei die Muskelarbeit nicht weiter zu behindern, indem sie das ausgetretene Blut schnell wieder abtransportieren. Dies ist ein wichtiger Aspekt, denn der Patient verfällt somit nicht in eine Schonhaltung, die durch Schmerzen bedingt ist und zu Folgekomplikationen führen kann.

Therapie & Rehabilitation
Für die Rehabilitation ist es wichtig zu wissen, dass Massagen nicht zu früh eingesetzt werden sollten, weil es durch den Muskelfaserriss zu einer strukturellen Unterbrechung innerhalb des Muskels gekommen ist. Eine zu frühe Behandlung des Blutergusses im Muskel durch Massagen kann dazu führen, dass aus Hämatomzellen knochenartige Zellen entstehen, die eine „Verknöcherung“ („Myositis Ossificans“) innerhalb des Muskels bedeuten. Diese „Verknöcherung“ in der Muskulatur führt zu einer erheblichen Störung der Kontraktionsarbeit.

Grundsätzlich ist es ratsam eine manuelle Lymphdrainage als Therapiemethode der Krankengymnastik durchzuführen, um als abschwellende Maßnahme eine Druck- und Schmerzminderung der betroffenen Struktur zu erwirken und zu einer schnellen Regeneration beizutragen – dies kann schon nach ein paar Tagen erfolgen. Im Anschluss daran empfehlen sich milde Wärme (z.B. in Form einer „heißen Rolle“) und noch später dann leichte Dehnübungen (nur im schmerzfreien Bereich). Salben und Tapeverbände (im Sinne einer Ruhigstellung) sind weniger sinnvoll.

Der positive Genesungsverlauf hängt davon ab, wie viel Aufwand betrieben wird. Je weniger Zeit in die eigene Regeneration investiert wird, desto gravierender sind oftmals die Folgezustände und die Genesung geht deutlich langsamer vonstatten. Generell kann man sagen, dass die sportliche Pause nach einem Muskelfaserriss 3-12 Wochen beträgt. Diese Zeitspanne verdeutlicht, wie wichtig die Regenerationsmaßnahmen nach einer solchen Verletzung sind. Um die Zwangspause zu minimieren empfiehlt es sich, selbst etwas zu der eigenen Regeneration beizutragen und hierbei sorgfältig mit seinem eigenen Schmerzempfinden umzugehen.

Zu Anfang ist als Bewegungsform leichtes „Gehen“ (mit Unterarmgehstützen) vollkommen ausreichend. Danach kann man mit lockerem Radfahren und Schwimmen beginnen, um den Körper nicht mit seinem eigenen Körpergewicht voll zu belasten. Die Belastung sollte nun in Abhängigkeit des eigenen Schmerzempfindens des Patienten langsam und stetig gesteigert werden. Als Beispiel empfiehlt sich die Steigerung vom normalen Gehen zum lockeren Dauerlauf und von wechselnden Tempoläufen bis hin zu Sprints. Erst zu dem Zeitpunkt, wenn keinerlei Beschwerden mehr vorhanden sind und völlige schmerzfreiheit gegeben ist, können ihm wieder die gewohnten Wettkampfbelastungen zugemutet werden.

Prävention:
Die Grundvoraussetzung für das Vermeiden von Muskelzerrungen und Muskelfaserrissen ist ein adäquates Aufwärm- und Dehnprogramm. Hinzu kommt, dass das Aufwärmen auf dem Untergrund durchgeführt werden wollte, auf dem auch im Anschluss daran der eigentliche Wettkampf stattfindet, um den Muskel optimal auf die Belastung vorzubereiten. Zusätzlich sollte man auf hochwertiges Schuhwerk achten. Grundlegend ist ein präventives Koordinationstraining ratsam. Denn ein vielseitiges Koordinationstraining unterstützt die Schulung einer allgemeinen Geschicklichkeit, die wiederum Verletzungen durch Fehlbewegungen vermeidet. Ergänzend dazu kann auch die Reizweiterleitung von körpereigenen Bewegungsschutzreflexen durch ein vielseitiges Koordinationstraining deutlich gesteigert werden. Geräte, die sich für die Realisierung der vielfältigen Bewegungsaufgaben eignen, sind z.B. Wackelbretter, Turnkreisel und Gymnastikbälle oder auch ein Seil, mit dem man durch das Springen koordinative Fähigkeiten schulen kann.

Abschließend kann gerade dem Sportler eine ausreichende Elektrolytversorgung nahegelegt werden, denn besonders Magnesium ist für die Elastizität, Regeneration und Entspannungsfähigkeit der Muskulatur von hoher Wichtigkeit.



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